Balkonkraftwerke verwandeln Sonnenlicht in grünen Strom, der direkt ins Hausnetz eingespeist wird und für eine niedrigere Stromrechnung sorgen soll. Wie groß die Ersparnis wirklich ist, lässt sich aber nicht allein an der Leistung der Solarmodule ablesen – entscheidend ist neben dem Standort und der Ausrichtung vor allem die Frage, wie viel Solarstrom direkt im Haushalt verbraucht wird. Am Beispiel eines Einsteigermodells des bekannten Herstellers Kleines Kraftwerk rechnen wir nach, was unter realistischen Bedingungen finanziell pro Jahr hängen bleibt – und wie rasch sich die Investition bezahlt macht.
Das Modell Duo XL besteht aus zwei bifazialen Modulen mit jeweils 500 Watt Peak, zusammen ergibt das eine Nennleistung von 1000 Watt Peak. Der mitgelieferte Hoymiles-Wechselrichter gibt davon die für Balkonkraftwerke maximal erlaubten 800 Watt ins Hausnetz ab. WLAN und Bluetooth sind integriert, die Stromproduktion lässt sich per App kontrollieren. Aus seit Jahrzehnten erhobenen Photovoltaik-Zahlen wissen wir: PV-Module, die sinnvoll ausgerichtet und nicht groß verschattet sind, erzeugen pro 1000 Wp Nennleistung jährlich etwa 800 bis 1000 Kilowattstunden (kWh) Strom.
Zum Lieferumfang des Sets gehört außerdem ein Anschlusskabel mit Schutzkontaktstecker, eine Halterung ist beim Angebotspreis von 349 Euro nicht enthalten. Die angebotenen Systeme für Balkon, Wand, Flachdach oder Garten kosten jeweils 99 Euro zusätzlich – für eine komplette, montierbare Anlage sind daher eher 450 Euro anzusetzen.
- 2 bifaziale 500-Wp-Module mit TOPCon-Technik
- Hoymiles-Wechselrichter mit 800 Watt Ausgangsleistung
- 2 MPP-Tracker, WLAN, Überwachung per App
- 5 Meter Anschlusskabel inklusive, Halterung gegen Aufpreis
Kleines Kraftwerk Duo XL – 1000 Watt Balkonkraftwerk
1000 Kilowattstunden Strom bedeuten nicht 1000 Kilowattstunden Ersparnis
Wie oben erwähnt, kann ein 1000-Wp-System unter guten Bedingungen in Deutschland durchaus in die Nähe von 1000 Kilowattstunden Jahresertrag kommen. Bei einer senkrechten Montage am Balkon, zeitweiliger Verschattung oder einer nicht optimalen Ausrichtung sind jedoch auch 600 bis 800 Kilowattstunden realistisch. Für die folgende Rechnung setzen wir deshalb vorsichtige 750 Kilowattstunden pro Jahr an.
Noch entscheidender ist aber der Eigenverbrauch: Ohne Batteriespeicher spart nur der Solarstrom Geld, der im Moment seiner Erzeugung im Haushalt benötigt wird. Überschüsse fließen normalerweise ohne Vergütung ins öffentliche Netz. Produziert das Kraftwerk an einem sonnigen Mittag 700 Watt, während Kühlschrank und Router zusammen nur 200 Watt verbrauchen, senken folglich auch nur diese 200 Watt den Strombezug.
Realistische Rechnung für den eigenen Haushalt
Die HTW Berlin setzt in ihrem wissenschaftlich entwickelten Stecker-Solar-Simulator für eine Wohnung mit drei Personen einen mittleren Jahresverbrauch von 2600 Kilowattstunden an; bei vier Personen sind es 3000 Kilowattstunden. Ein höherer Jahresverbrauch führt aber nicht automatisch zu einer höheren Ersparnis: Maßgeblich ist, wann der Strom verbraucht wird. Homeoffice, regelmäßig laufende Haushaltsgeräte oder zeitgesteuerte Wasch- und Spülmaschinen erhöhen den nutzbaren Anteil.
Für eine eher defensive Familienrechnung kalkulieren wir mit einem Eigenverbrauch von 50 Prozent: Aus 750 kWh Jahresertrag werden so 375 kWh vermiedener Netzbezug. Bei einem Strompreis von 30 Cent pro Kilowattstunde ergibt sich daraus eine Ersparnis von 112,50 Euro pro Jahr. Die Stromrechnung der Familie sinkt in diesem Beispiel also um rund 110 bis 115 Euro.
Kleines Kraftwerk Duo XL – 1000 Watt Balkonkraftwerk
So verändern Haushaltsgröße und Nutzung das Ergebnis
Die folgende Übersicht rechnet weiterhin mit 750 Kilowattstunden Jahresproduktion. Die Eigenverbrauchsquoten sind bewusst vorsichtig angesetzt und dienen der Orientierung.
- Eine Person, tagsüber selten zu Hause, kommt auf 260 gesparte kWh, das bedeutet eine Ersparnis von 78 Euro. Das Balkonkraftwerk Duo XL wäre inklusive Halterung nach 5,7 Jahren abbezahlt.
- Zwei Personen mit durchschnittlichen Nutzungsgewohnheiten landen bei 330 gesparten kWh, dies entspricht 100 Euro. Nach 4,4 Jahren ist der Kaufpreis des Balkonkraftwerks wieder drin.
- Ein Haushalt mit drei bis vier Personen könnte auf 375 kWh und somit auf circa 113 Euro Ersparnis kommen – das bedeutet eine Amortisationszeit von exakt vier Jahren.
- Eine Familie mit hoher Tageslast und viel Stromverbrauch während der Sonnenstunden holt noch mehr heraus und spart bis zu 460 kWh, also fast 140 Euro. Somit rentiert sich die Investition schon nach gut drei Jahren.
Diese Werte zeigen, warum pauschale Versprechen von extrem kurzen Amortisationszeiten unter zwei Jahren mit Vorsicht zu behandeln sind. Dafür müsste fast jede erzeugte Kilowattstunde unmittelbar im Haushalt landen. Umgekehrt muss ein Einpersonenhaushalt nicht zwangsläufig schlechter abschneiden: Wer viel im Homeoffice arbeitet, eine Klimaanlage betreibt oder die Nutzung großer Verbraucher wie Waschmaschine und Geschirrspüler gezielt in die sonnigen Stunden legt, kann einen größeren Anteil selbst nutzen als eine Familie, die tagsüber außer Haus ist.
Nach der Amortisationszeit produziert die kleine PV-Anlage natürlich weiter Strom – und das in aller Regel zuverlässig über einen sehr langen Zeitraum. Selbst bei nur 100 Euro jährlicher Ersparnis summiert sich der vermiedene Strombezug in 20 Jahren auf rund 2000 Euro.
Fazit: Kein Sprintgeschäft, aber ein überzeugender Sparmarathon
Ein Balkonkraftwerk wie das Duo XL macht Käufer nicht innerhalb weniger Monate zum Stromspar-Weltmeister. Bei realistischen Annahmen sind rund 80 bis 135 Euro Stromkostenersparnis pro Jahr zu erwarten, für eine durchschnittliche Familie ist ein Wert von etwa 110 Euro plausibel.
Damit amortisiert sich die komplette Anlage voraussichtlich nach etwa vier Jahren, bei schwierigeren Bedingungen eher nach fünf bis sechs Jahren. Angesichts der langen Lebensdauer der Solarmodule bleibt anschließend jedoch viel Zeit, um die Anschaffungskosten mehrfach wieder einzuspielen. Das Duo XL ist somit kein Wunderrenditeversprechen – mit einem Preis von 350 Euro beziehungsweise 450 Euro mit Halterung, ganz nüchtern betrachtet eine sehr rentable Investition.
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